Weihnachten 2010

Wort und Musik zum Weihnachtsfest im „Dippser“ Rathaus:
2. Feiertag, Sonntag, 26.12.2010, 15.00 Uhr:

Kennen Sie Theodor Storm? Der eine oder andere von uns Älteren las vielleicht in den Märchenbüchern „Der kleine Häwelmann“ oder „Die Regentrude“. Und die deutsche Meisternovelle „Der Schimmelreiter“ ist wohl in der Zeit der Krimis, Politreißer oder Biographien und historischen Romane á la Lorentz oder Ebert doch noch ein Begriff. Wir erinnern anläßlich des bevorstehenden Weihnachtsfestes an den Schriftsteller (1817-1888), der mehr als ein nordfriesischer Heimatdichter war, und es gibt europaweit keinen Autor, der sich so intensiv mit dem Glanz des wichtigsten Familienfestes beschäftigte. Seine Heimatstadt Husum, die Stadt mit dem wohl größten Marktplatz Deutschlands, hat heute selbstverständlich ein Storm-Museum zu bieten – auch einen Verlag, der übrigens Weihnachtliches publiziert; seinerzeit war sie vor allem ein Viehmarkt. Theodor Storm, Advokat von Beruf und auch als solcher unter anderem in Potsdamtätig, haßte als bürgerlicher Demokrat die Orthodoxie wie die Junkerprivilegien, und er litt unter der längeren dänischen Besetzung Husums wie dem zunehmend preußischen Zeit geist. Er stand als „unpolitischer“ Humanist dem Familiären und Sozialen sowie dem Provinziellen nahe. Seine Freunde (Eichendorff, Heyse, Fontane) und Briefpartner (sein Vorbild Mörike, Keller und Turgenjew) achteten den Lyriker (als solcher sah er sich, in der Nachfolge Heines und Eichendorffs) und großartigen Novellisten, der psychologisch tief zu loten wußte, anscheinend Wirklichkeitsfremdes realistisch darzustellen vermochte. Zum Glück wurden seine Hauptwerke nie verleugnet, durch filmische Mittel, teilweise auch Theaterensembles, optisch aufbereitet, so daß der „Schimmelreiter“ (von 1888) ebenso Nichtlesern bekannt werden konnte wie „Pole Poppenspäler“ (von 1875).
Des Harmoniebedürftigen poetische Stimmungen, lyrische Züge und romantische Neigung zum Rückzug ins Vergangene finden sich auch in den Prosaerzählungen, besonders in „Im mensee“. In einer Zeit, in der so manches Weltkulturgut deutscher Sprache unterbewertet oder gar nicht mehr als vermittelnswert betrachtet wird, liest Olaf Hörbe (Dresden) zum traditionellen Weihnachten von „Wort und Musik“ im Rathaus: am 26.12., diesmal schon 15 Uhr, denn er darf abends in die Faust-Rolle schlüpfen. Partner am Flügel wird wiederum Johannes Wulff-Woesten (Semperoper) sein, der außer weihnachtlichen Piecen auch Klavierbegleitung anbieten wird, falls erneut der Wunsch besteht, anschließend selbst bekannte Weihnachtslieder zu singen.
Neben dem Vorverkauf sind Vorbestellungen für „Weihnachten bei Theodor Storm“ abends unter 03504/614648 möglich. Die Tageskasse ist ab 14 Uhr geöffnet. Die Eintrittspreise sind auch am Ende des 10. Jahrganges von „Wort und Musik“ dank den Künstlern eine Extra-Weihnachtsgabe: konstant 8,- und ermäßigt 6,- Euro.
